Betriebsrat kritisiert Ex-Führung

Die Stahlbau Calbe GmbH ist noch immer insolvent. Die Lohnzahlung ist bis Mitte Juli sicher. Nun meldet der Betriebsrat Kritik.

„Es wäre eine Schande, wenn so ein Traditionsbetrieb einfach von der Bühne verschwindet”, sagt Betriebsratsvorsitzender Günter Lenhart mehr als einen Monat nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Der Betriebsrat erhebt nun Vorwürfe gegen das Management der Preiss-Daimler-Firmengruppe und dessen Geschäftsführer Jürgen Preiss-Daimler. „Was wurde getan, um diese Situation abzuwenden?”, fragt Lenhart. In den vergangenen zwei Jahren sei die Lage immer schwieriger geworden. Die Geschäftsführung habe dies mit einer schlechten Branchensituation sowie den Wegbruch der Geschäftsfelder Kraftwerksbau und Chemieanlagenbau begründet. Doch warum habe man sich nicht für andere Geschäftsfelder geöffnet und warum haben andere Stahlbauer Aufträge gehabt, nur die Calbenser nicht, fragt Lenhart. „Angebotsanfragen gab es genügend, doch kaum ein Auftrag landete in Calbe.”

Der vom Unternehmen ausgerufene Slogan „Wir sind eine Familie”, der vielen Mitarbeitern noch in den Ohren klinge, sei für Lenhart in den letzten Jahren zur Maskerade verkommen. Dahinter steckte vielmehr der Verzicht auf Lohnanteile, freiwillige und unentgeltliche Arbeit, verkürzte Wochenarbeitszeit und Kurzarbeit mit dem Ziel der Mitarbeiter, den Standort Calbe aufrecht zu erhalten. „Es war die nackte Angst um unseren Arbeitsplatz, die uns immer wieder Abstriche hinnehmen ließ”, so Lenhart. „Rechnet man dies auf die letzten zehn Jahre hoch, kommt man auf einen Millionenbetrag, der uns als Belegschaft in der Tasche fehlt.” Von alledem wolle die ehemalige Geschäftsführung nun nichts mehr wissen. Auf Volksstimme-Nachfrage äußerte sich die P-D-Firmengruppe nicht zum Sachverhalt.

Betriebsrat wirft Führung Vertragsbruch vor
Noch im Januar dieses Jahres sei die Verlängerung eines Sondertarifvertrages bis zum Juni von beiden Seiten unterzeichnet worden. Dabei sei Jürgen Preiss-Daimler vor die Belegschaft getreten und habe „offenherzig die Bezahlung der Beschäftigten für die Laufzeit – auch bei fehlender Auslastung – bei einer 35 Stunden-Woche zugesagt”, so Lenhart weiter. Letztendlich sei der Vertrag gebrochen und ab April von Preiss-Daimler kein Lohn mehr bezahlt worden. Dies habe der eingesetzte Insolvenzverwalter mit der Vorfinanzierung des Insolvenzausfallgeldes für April und Mai geändert. Neben der Gewerkschaft hängen die Hoffnungen der Belegschaft nun am Magdeburger Betriebswirt Heiko Rautmann.

„Wir befinden uns weiterhin in diversen Gesprächen und Verhandlungen mit Kunden, Lieferanten, Betriebsrat und auch potentiellen Investoren”, heißt es auf Nachfrage vom auf Großinsolvenzen spezialisierten Unternehmen “Müller &Rautmann”. Heiko Rautmann bittet daher um Verständnis, dass noch keine abschließenden Ergebnisse mitgeteilt werden könnten. „Die Sicherung der Arbeitsentgelte wurde inzwischen von Ende Juni bis zum 15. Juli ausgeweitet”, sagt Rautmann.

Hoffnung auf Fortbestand
Noch im vergangenen Herbst ließ sich Landrat Markus Bauer bei einem Firmenbesuch vom einstigen Niederlassungsleiter Wilfried Handt durch die großen Werkshallen führen. „Ein Niedergang der Stahlbau Calbe GmbH als Traditionsunternehmen wäre für die Region und den Salzlandkreis ein herber Verlust”, sagt der Sozialdemokrat gegenüber der Volksstimme. Schließlich sei der Salzlandkreis ein starker Standort für die Metallbaubranche. 60 Betriebe produzieren hier. Im Ernstfall einer Unternehmensauflösung drohten sowohl für die knapp 80 Arbeitnehmer und ihre Familien als auch für die Saalestadt finanzielle Einschnitte in Form von Lohn-und Steuereinbußen, so Bauer. Der Sozialdemokrat hofft, dass der Insolvenzverwalter einen neuen Marktzugang für das insolvente Unternehmen herstellen und womöglich kreative Partner gewinnen kann, um den Fortbestand zu sichern.

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