Deutsches Rotes Kreuz - Rettungsdienst meldet Insolvenz an

Naumburg/Weißenfels - In der Weißenfelser Rettungswache des Deutschen Roten Kreuzes ist am Dienstag die Verunsicherung spürbar. Teilweise ist in den Augen der Beschäftigten sogar Angst erkennbar. Reden möchten die Mitarbeiter über die Meldung des Tages nicht.

Ihr Arbeitgeber, die von den beiden DRK-Kreisverbänden Naumburg/Nebra und Weißenfels getragene DRK-Rettungsdienst Burgenland gGmbH, hat Insolvenz angemeldet. Es ist eine Vorsichtsmaßnahme der Geschäftsführung. Denn Mitarbeiter klagen vor dem Arbeitsgericht Naumburg wegen ausstehender Zahlungen von Überstunden. Am Abend wurde die Insolvenz auf Betriebsversammlungen in Naumburg und Weißenfels den Mitarbeitern offiziell verkündet.

Führung zuversichtlich

Die Geschäftsführung der insolventen Gesellschaft zeigte sich am Dienstag dennoch zuversichtlich. Die Chancen stünden gut, die „dauerhafte Fortführung des Unternehmens sicherzustellen“, so Geschäftsführer Steffen Lorenz. Er bleibe weiter in der Verantwortung und verspreche, dass trotz des Insolvenzverfahrens in den Regionen Naumburg-Nebra und Weißenfels alle Leistungen der Notfallrettung weiter wie bisher erbracht werden. Der Rettungsdienst sei „uneingeschränkt sichergestellt“.

Derzeit 136 Beschäftigte

Die Rettungsdienst Burgenland gGmbH war 2006 als Tochtergesellschaft der beiden DRK-Kreisverbände gegründet worden. Seit Anfang 2007 übernimmt sie im Auftrag des Burgenlandkreises die Aufgaben des Rettungsdienstes in Teilen der Region. Um ihn sicherzustellen, betreibt sie in Naumburg Am Hohen Stein und in der Jägerstraße sowie in Weißenfels-Borau Rettungswachen. Außerdem ist sie für Leistungen des Krankentransportes zuständig. Insgesamt sind in der Gesellschaft nach eigenen Angaben 136 Mitarbeiter beschäftigt.

Auch der Lohn für die Angestellten sei nach Aussage von Lorenz für die Monate September bis November „vollumfänglich durch Zahlung von Insolvenzgeld abgedeckt“. Als vorläufigen Sachwalter des Insolvenzverfahrens hat das Amtsgericht Halle der Geschäftsführung inzwischen den Wirtschaftsjuristen Nico Kämpfert zur Seite gestellt.

„Wirtschaftliche Schieflage“

Warum sich das Unternehmen in „einer wirtschaftlichen Schieflage“ befindet, geht aus der am Dienstag von Sachwalter Kämpfert und der Geschäftsführung veröffentlichten Pressemitteilung jedoch nicht hervor. Stattdessen heißt es: „Die Ursachen für die Unternehmenskrise sind identifiziert und können durch ein Restrukturierungskonzept dauerhaft beseitigt werden.“ Das Unternehmen sei außerdem weiterhin liquide, unterstrich Lorenz auf Nachfrage. Außerdem verwies er darauf, dass das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung erfolge. Damit seien gute Chancen gegeben, „die dauerhafte Fortführung des Unternehmens sicherzustellen.“ Nicht betroffen vom Insolvenzverfahren sind die beiden DRK-Kreisverbände und deren Mitarbeiter.

Die Rettungsdienst Burgenland gGmbH beschäftigt jedoch bereits seit Jahren ein schwelender Tarifstreit über die Vergütung der Zwölf-Stunden-Schichten. So waren die beiden DRK-Kreisverbände und deren Tochtergesellschaften vor eineinhalb Jahren von der „DHV - Die Berufsgewerkschaft“ aufgefordert worden, in neue Tarifverhandlungen einzutreten. Zuvor - am Jahresende 2015 - hatte die Gewerkschaft die bis dahin geltenden Entgeltverträge gekündigt.

1,2 Millionen Euro befürchtet

Trotz geführter Gespräche, so Lorenz, sei bis Ende August keine Einigung erzielt worden. Gegen Vergleichsvorschläge sei in Naumburg von einem und in Weißenfels von mehreren Mitarbeitern Einspruch erhoben worden, so dass sie nicht hätten wirksam werden können. „Somit waren insgesamt Forderungen in Höhe von 1,2 Millionen Euro zu befürchten“, sagte der Geschäftsführer. Die gemeinnützige Gesellschaft verfüge jedoch über keine Rücklagen.

Dabei hatte man sich noch Anfang des Jahres beim Weißenfelser DRK auf rechtssicherer Seite gewähnt. Damals verwies Prokurist Mike Müller im Gespräch mit Tageblatt/MZ auf ein Gutachten des Gewerbeaufsichtsamtes. Die Behörde habe keine Verstöße erkannt. Auch die Einsatzzeiten habe man von externen Firmen analysieren lassen und dabei keine Verstöße gegen die Tarifvereinbarung festgestellt.

Kreis will sich nicht äußern

Der Burgenlandkreis wollte sich zu internen Problemen des Unternehmens nicht äußern. Vize-Landrat Dieter Engelhardt bestätigte am Dienstag lediglich, dass die Geschäftsführung und der Sachwalter bereits das Gespräch mit der Kreisverwaltung gesucht hätten. „Beide haben versichert, dass die momentane Versorgung so auch in Zukunft aufrechterhalten wird“, sagte Engelhardt. So lange die Leistungen erbracht würden, sehe der Landkreis keinen Bedarf, den Auftrag für den Rettungsdienst im Burgenlandkreis neu zu vergeben.

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