DRK-Krise Insolvenzverwalter: „Der Prozess dauert länger als erwartet"

"Mitteldeutsche Zeitung" vom 18.03.2017

Dessau - Der zahlungsunfähige Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes in Dessau arbeitet sich aus der Krise. Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens im September 2016 soll der Verein im Sommer wieder eigenständig arbeiten können. Das hat der Insolvenzverwalter Nico Kämpfert aus Magdeburg erklärt. „Wir befinden uns in der finalen Phase der Sanierung. Der Prozess wird länger als erwartet dauern.“

Jahrelang wurde beim DRK zu unstrukturiert gearbeitet

Ursprünglich ging er davon aus, dass der Verband ab Ende März die Geschäfte wieder selbstständig führen kann. Die liefen seit der Insolvenz ohne Einschränkung weiter. Doch die Neuaufstellung ist aufwendiger als angenommen.

„Der Verein muss nicht nur entschuldet, sondern vor allem seine Organisation und Leistungen auf wirtschaftlich solide Füße gestellt werden“, so Kämpfert. Derzeit gehe es um eine neue unternehmerische Ausrichtung: Der Verein mit verschiedenen Geschäftsfeldern soll professioneller und wirtschaftlicher arbeiten. Dazu gehören der Umbau der Personalstruktur und effizientere Abläufe.

Zur Zahlungsunfähigkeit hatten in den vergangenen Jahren schwere Managementfehler geführt. „Die Geschäftsbereiche wurden nicht wie in einem mittelständischen Unternehmen geführt, sondern lose und unstrukturiert.“ Er umreißt damit ein Dilemma von wirtschaftlich tätigen Vereinen: Sie sind zwar gemeinnützig, müssen aber betriebswirtschaftlich funktionieren.

Rettungswesen sowie die Alten- und Krankenpflege sollen zwei eigenständige Tochtergesellschaften werden

Inzwischen wurde für das DRK in Dessau ein hauptamtlicher Geschäftsführer eingestellt. Wesentlicher Teil der Strategie ist es auch, den Bereich Rettungswesen sowie die Alten- und Krankenpflege in zwei eigenständige Tochtergesellschaften auszulagern. Sie sollen ab Juli 2017 mit der Arbeit beginnen.

Ebenso habe sich die Einnahmesituation „erheblich erhöht“, nachdem neue Kostensätze mit den Kranken- und Pflegekassen vereinbart wurden. Die Verhandlungen mit Gläubigern, wie Banken, Lieferanten, Dienstleister und die Bundesagentur für Arbeit, laufen. Auf eine knappe Million summieren sich derzeit die Verbindlichkeiten, so Kämpfert.

Nun werde ein Insolvenzplan erarbeitet, mit dem er die Gläubiger überzeugen will, „auf einen erheblichen Teil der Forderungen zu verzichten“. Wenn der Verein wieder zahlungsfähig und kostendeckend arbeitet, kann das Insolvenzverfahren aufgehoben werden.

„Die Mitarbeiter mühen sich jeden Tag, um den Verein wieder auf gesunde Füße zu stellen. Wir sind auf einem guten Weg“, erklärte der Insolvenzverwalter. Der Kreisverband hat rund 2.000 Mitglieder, etwa 80 Mitarbeiter und 160 ehrenamtliche Helfer. Zu den Leistungen gehören der Rettungsdienst, Katastrophenschutz, Alten- und Krankenpflege sowie Dienste im Familien- sowie Kinder- und Jugendhilfebereich. Etwa 10.000 Einsätze jährlich hat der Rettungsdienst. Der Umsatz beträgt laut Kämpfert „ein paar Millionen Euro im Jahr“.

Das DRK muss weiter an seinen Schwachstellen arbeiten

Am Sitz in der Amalienstraße betreibt das DRK ein Pflegeheim mit 14 Betten, in der Karlstraße Betreutes Wohnen mit 15 Plätzen. Die Belegung war eine der Schwachstellen - inzwischen sei eine Vollauslastung erreicht, auch der Ausbau des Geschäftsbereichs geplant. „Aber wir müssen das DRK und seine Leistungen auch besser vermarkten“, so Kämpfert. „In Dessau-Roßlau besteht ein breiter Markt in der Alten- und Krankenpflege. Das muss besser genutzt werden.“

In Kürze startet das DRK eine Imagekampagne mit Plakaten, Flyern und Anzeigen mit dem Slogan „Wir für Sie“. Auch ein Bürgerbüro im Zentrum ist geplant. Für die Mitarbeiter verhandelt Kämpfert derzeit einen Haustarifvertrag. Dieser solle das DRK als Arbeitgeber wieder attraktiv machen.

Zurück

MWG Alutec GmbH

Unternehmen soll koordiniert aus der Krise herausgeführt werden - Die MWG Alutec GmbH ist in eine wirtschaftliche Schieflage geraten... 

Artikel lesen

"Augsburger Allgemeine"

Bobingen. Wie eine Druckerei versteigert wird...

Artikel lesen

Zauberküche GmbH by Suppe & Seele

Zauberküche in Not - Die "Zauberküche" aus Schönebeck hat Insolvenz angemeldet. Wie es mit den 1500 Schul- und Kita-Essen täglich weitergeht...

Artikel lesen