Nach der Insolvenz - DRK in Dessau will sich neu organisieren

"Mitteldeutsche Zeitung" vom 12. Oktober 2016

Etwa 80 Mitarbeiter sind beim DRK-Kreisverband Dessau-Roßlau beschäftigt.

Dessau - Für den zahlungsunfähigen Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes in Dessau steht der Sanierungsplan.

Wesentlicher Teil der Strategie ist es, den Bereich Rettungswesen sowie die Alten- und Krankenpflege in zwei eigenständige Tochtergesellschaften auszulagern. Das hat auf Nachfrage der Insolvenzverwalter Nico Kämpfert mitgeteilt.

Der Kreisverband hatte Anfang August die Insolvenz beantragt, das reguläre Insolvenzverfahren ist am 30. September eröffnet worden.

Eine professionelle Personalstruktur und effiziente Abläufe

Bis zum Ende dieses Jahres sollen die zwei neuen Gesellschaften gegründet werden. Möglich sei, so der Magdeburger Jurist, dass der DRK-Kreisverband ab dem zweiten Quartal 2017 die Geschäfte wieder eigenständig führen kann.

Der Verein hat derzeit rund 2.000 Mitglieder. Etwa 80 Mitarbeiter und rund 160 ehrenamtliche Helfer sind im Einsatz.

In den kommenden Monaten will Kämpfert den Kreisverband wirtschaftlich neu aufstellen. „Es geht um eine professionelle Personalstruktur und effiziente Abläufe“, so Kämpfert.

Denn zur Zahlungsunfähigkeit hatten letztlich schwere Managementfehler geführt. Bereits 2009 war es zu ersten Problemen gekommen. Verluste im mittleren fünfstelligen Bereich pro Jahr sollen aufgelaufen sein.

Laut Kämpfert hätte es schließlich Verbindlichkeiten im hohen sechsstelligen Bereich gegeben. Das Hauptproblem sei die fehlende strategische Ausrichtung gewesen, man habe den Kreisverband zu wenig nach unternehmerischen Gesichtspunkten geführt, so der Insolvenzverwalter.

Versäumnisse über Jahre hinweg

„Der Verein hat über Jahre hinweg versäumt, mit den Kranken- und Pflegekassen neue Kostensätze zu vereinbaren. Normalerweise ist dies aufgrund der Preissteigerungen im operativen Geschäft einmal im Jahr üblich.“

Allein damit seien dem Verein etwa 20.000 Euro im Jahr an zusätzlichen Einnahmen verloren gegangen. Zudem sei die Auslastung im Bereich der Alten- und Krankenpflege unzureichend. „Es wurde eine Struktur aufgebaut, aber gleichzeitig versäumt, für eine ausreichende Anzahl an Patienten zu werben.“

Das betreffe vor allem das Betreute Wohnen in der Karlstraße, dort stehen derzeit drei Wohnungen leer, und den ambulanten Pflegedienst. Das Senioren- und Pflegehaus „Akazienwäldchen“ dagegen sei gut ausgelastet.

Die Schieflage des Vereins ist auch einem Dilemma geschuldet, in dem wirtschaftlich tätige Vereine stecken: Sie sind zwar gemeinnützig, doch sie müssen auch betriebswirtschaftlich funktionieren.

Die nun geplante Auslagerung der beiden Bereiche Rettungswesen sowie der Alten- und Krankenpflege soll dies bewirken. „Vorher gab es einen ehrenamtlichen Vorstand für den Verein, der auch das gesamte Tagesgeschäft im Blick haben musste. Die zwei neuen Tochtergesellschaften bekommen je einen Geschäftsführer, der die Aufgaben und das Personal besser steuern und koordinieren kann.“

Bis Ende 2016 will Kämpfert auch die Verhandlungen über neue Kostensätze mit den Kranken- und Pflegekassen vorantreiben. „Der Verein muss kostendeckend arbeiten. Das ist die Grundlage dafür, dass er wirtschaftlich gesundet und in Zukunft verlustfrei seine Geschäfte führen kann.“

Verhandlung mit Gläubigern

Die unternehmerische Neuaufstellung ist auch der notwendige Rahmen dafür, dass der Insolvenzplan ab dem ersten Quartal umgesetzt werden kann. Dabei geht es um den Abschluss der Verhandlungen mit den Gläubigern, zu denen Banken, Lieferanten und Dienstleister sowie die Bundesagentur für Arbeit gehört, die in den vergangenen drei Monaten Gehälter über das Insolvenzgeld absicherte.

„Ist die wirtschaftliche Gesundung des Vereins durch die Neuaufstellung plausibel, so könnte das auch das Argument für Gläubiger sein, auf Forderungen zu verzichten oder Beträge zu stunden.“

Zurück

MWG Alutec GmbH

Unternehmen soll koordiniert aus der Krise herausgeführt werden - Die MWG Alutec GmbH ist in eine wirtschaftliche Schieflage geraten... 

Artikel lesen

"Augsburger Allgemeine"

Bobingen. Wie eine Druckerei versteigert wird...

Artikel lesen

Zauberküche GmbH by Suppe & Seele

Zauberküche in Not - Die "Zauberküche" aus Schönebeck hat Insolvenz angemeldet. Wie es mit den 1500 Schul- und Kita-Essen täglich weitergeht...

Artikel lesen